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2.2: Wie verändern (digitale) Medien die Meinungsbildung und den Diskurs?

11.06.2022 18:22 2. Gesellschaft | Politik | Wirtschaft | Sicherheit Autor*innen und Mitwirkende

Wie verändern das Internet und Social Media die Gesellschaft? Spaltet oder verbindet Social Media die Menschen? Oder beides? Warum radikalisieren sich Menschen über das Internet und Social Media? Was kann man dagegen tun?

In der Demokratie sind individuelle und öffentliche Meinungsbildung auf funktionierende Medien angewiesen. Die Bedeutung, die so dem Internet und Social-Media-Plattformen zukommt, ist Thema dieses Clusters. Das Internet und Social-Media-Plattformen haben einerseits die Möglichkeiten verbessert, dass Menschen an öffentlichen Diskursen teilnehmen und sich aktiv einbringen können. Andererseits sind damit auch Ängste um verzerrende und manipulierende Darstellungen, eine Spaltung der Gesellschaft wie auch persönliche Bedrohungen durch Extremismus und Rassismus verbunden. Die aufgeworfenen Fragen beziehen sich vorrangig auf den zweiten eher negativen Aspekt von Internet und Social Media und betreffen sowohl den Ist-Zustand als auch mögliche Entwicklungen und Gegenstrategien. Sie betreffen die individuelle Meinungsbildung, den Austausch mit anderen, wie auch die Folgen für Politik und die Gesellschaft insgesamt: Wie verändern sich unsere Sichtweisen auf die Gesellschaft durch die Vernetzung? Warum radikalisieren sich Menschen im Netz, und was kann man dagegen tun? Gibt es die von vielen behauptete Spaltung der Gesellschaft wirklich, wie kann das Ausmaß der Spaltung gemessen und ggfs. eine Einigung erzielt werden?


Die Fragen des Clusters machen deutlich, dass die großen Erwartungen, die mit der Durchsetzung des Internets als Kommunikationsmedium verbunden waren, nicht erfüllt wurden. Ein größeres Angebot an Informationen und Meinungen und bessere Teilhabemöglichkeiten für viele haben in der Wahrnehmung weiter Teile der Bevölkerung nicht zu einer besseren Meinungsbildung und rationaleren Diskursen geführt. Für die Forschung ergibt sich daraus die Frage: Haben das Internet und Social-Media-Plattformen die beschriebenen Phänomene erzeugt, oder lediglich sichtbarer gemacht? Sowohl für die Einzelnen wie für die Gesellschaft insgesamt scheint es zunehmend schwieriger, die Relevanz und die Verbreitung von Meinungen einzuschätzen. Es gibt mehr Informationen und Mitteilungen, als durch einzelne Menschen, Organisationen oder die Gesellschaft verarbeitet werden können. Die durch das Internet ermöglichte höhere Sichtbarkeit führt zu einer verstärkten Unsicherheit. Einzelne Phänomene können temporäre Erscheinungen im Übergang von analogen zu digitalen Kommunikationsmedien sein, andere Ausdruck eines tiefergehenden sozialen Wandels. Wie aber können in globalen und offenen Kommunikationsnetzwerken Vermittlungsstellen geschaffen werden, die etwa Desinformationen kenntlich machen, ohne die für die demokratische Meinungsbildung notwendige Freiheit dieser Netze einzuschränken?

  • Unter welchen Bedingungen radikalisieren sich Menschen im Internet und was kann dagegen unternommen werden? 13216
  • Warum gibt es so viel Hass bei Social Media? 13447
  • Wie entstehen extremistische Einstellungen und wie können sie verhindert werden? 32208
  • Findet derzeit tatsächlich eine Spaltung der Gesellschaft statt? 13757
  • Wie unterscheiden sich die Lebensbedingungen von jungen Menschen auf dem Land von ihren Altersgenossen in der Stadt? Gibt es Unterschiede? Welche genau? Lassen die sich messen? Brauchen junge Menschen auf dem Land mehr Unterstützung? 12266
  • Welchen Einfluss haben Desinformation und Fake news auf Wahlentscheidungen? 13756
  • Wie kommen Menschen zu einer Haltung der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und was kann man dagegen als Gesellschaft tun? 12256
  • Wie kann ich die allgemeine Berichtserstattung verändern, um keine Einseitigkeit zu haben? 30689
  • Was für Faktoren beeinflussen die politische Meinungsbildung? 26609
  • Welchen Vorteil haben wir alle, wenn wir über das Internet vertrauensvoll und sicher miteinander „sprechen“ können? 12300

Autor*innen:

Prof. Dr. Patrick Donges

Mitwirkende:

Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring
Monika Buchenscheit
Werner Groth
Marek Langer
Samuel Rehberger
Dr. Miriam Schwentker


Kommentare

ist eine inhaltliche Ergänzung

Diese Frage begrenzt sich nicht auf Digitales oder Medien!

24.06.2022 10:02 s.schlee ist eine inhaltliche Ergänzung

Diese Frage ist deutlich weitreichender als dieses Cluster es beschreibt. Bei Lebensbedingungen junger Menschen auf dem Land geht es bei weitem nicht nur - und noch nicht mal vorrangig - um Soziale Medien oder die Gefahr der Radikalisierung. Diese Verengung beinhaltet das Vorurteil, dass junge Menschen auf dem Land eher/schneller/häufiger Desinformationen unterliegen oder sich radikalisieren.

Dabei geht es bei dieser Frage u.a. um:

- Möglichkeiten der Freizeitgestaltung junger Menschen - wie unterscheiden sich diese in Stadt und Land? Welche Angebote gibt es jeweils? Wie ist die Verteilung von kommerziellen/insitutionellen und ehrenamtlich oder bspw. von Vereinen vorgehaltenen Angeboten? Was machen Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit? Fehlt den jungen Menschen in der Stadt etwas? Fehlt denjenigen auf dem Land etwas? Merken sie überhaupt, dass ihnen etwas fehlt und hat das Einfluss auf ihre Zukunft?

Sind die Zukunftschancen junger Menschen auf dem Land gleichwertig zur Stadt?

 

 

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weiterer inhaltlicher Bestandteil

24.06.2022 10:13 s.schlee ist eine inhaltliche Ergänzung

Ergänzung zum vorherigen Kommentar:

- Wege zur Schule/Ausbildung/Arbeit - sind die Wege auf dem Land wirklich länger/anstrengender/aufwendiger als in der Stadt? Inwieweit prägen diese Wege/die Mobilitätserfahrungen die Individuen und deren künftige Bereitschaft, mobil zu sein?

- Freunde finden/treffen - mit nachweislich zahlenmäßig weniger jungen Menschen auf dem Land sind die möglichen gleichaltrigen Bezugspersonen von vornherein begrenzt. Der/die Einzelne hat ggf. "keine Wahl". Inwieweit beeinflusst diese "Vorauswahl" die Offenheit und Toleranz junger Menschen auf dem Land? Verändert sich die Gruppendynamik, weil es weniger vorhandene Personen gibt? Unterscheidet sich der Aufwand, um Freunde zu treffen, in Stadt und Land? Hat diese Erfahrung Auswirkungen für das Erwachsenenleben?

 

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Hypertext Transfer Protocol (http)

01.07.2022 12:41 gabriele.wickenhaeuser ist eine allgemeine Anmerkung

Die öffentliche Freigabe des http-Codes als Software-Basis des Internets erfolgte erst im Jahr 1991. Die Menschen können seither durch ihre praktische Internetnutzung lernen, mit der neuen und ungewohnten Freiheit im telekommunikativen "Netz" gut und richtig umzugehen. Dieser menschheitliche Lernprozess wird sicherlich mehr als eine Generation dauern.

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