Wissenschaftsjahr 2022 Online-Konsultation
Zurück zur letzten Ansicht

2.7: Wie ermöglichen wir jedem Menschen nachhaltig zu handeln?

11.06.2022 18:36 2. Gesellschaft | Politik | Wirtschaft | Sicherheit Autor*innen und Mitwirkende

Mit welchen Maßnahmen und Anreizen für Individuen, Industrie und Politik kann mehr Nachhaltigkeit erreicht werden? Wie kann ein nachhaltiger Lebensstil für alle erschwinglich werden? Welche kurz- und langfristigen Schritte müssen Industrie, Politik und Zivilgesellschaft dafür ergreifen?

Warum verhalten sich viele von uns (noch) nicht immer nachhaltig? Forschung zu dieser Frage erkundet, wie Normen, Gewohnheiten, Meinungen, gute Vorsätze, Botschaften, und Anreize unser Verhalten beeinflussen. Diese Anreize müssen nicht materiell sein, z.B. positives Feedback und Anerkennung durch andere. Diese soziale Anerkennung zeigt, dass wir stark von den Normen und Werten geprägt sind, die gesellschaftlich vermittelt werden. Das beinhaltet auch Normen zum Konsum, die beeinflussen, wie viele neue Produkte und neue Anschaffungen wir als normal betrachten. Gleichzeitig braucht Nachhaltigkeit mehr als individuelle Entscheidungen und es bleibt wichtig, individuelles Verhalten im Kontext von anderen Akteuren und Strukturen zu betrachten. Daher erkundet die Forschung in diesem Bereich auch, wie einzelne Menschen durch demokratische Prozesse und kollektives Handeln Einfluss auf Politik und Firmen nehmen können und nachhaltiges Leben strukturell vereinfacht werden kann. Das reicht von kleinen Veränderungen oder “Nudges”, bei denen zum Beispiel die klimafreundlichste Option auf einer Speisekarte hervorgehoben wird, bis zur Schaffung von Voraussetzungen, die nachhaltiges Handeln überhaupt erst ermöglichen, wie den (Aus)Bau von Bahn- und Busanbindungen. Hier müssen sich Strukturen ändern, damit nachhaltige Optionen ökonomisch tragbar werden und unabhängig vom Einkommen verfügbar sind. Dabei muss die Rolle des gesellschaftlichen Diskurses zwischen Individuen, Industrie, Politik, und Wissenschaft thematisiert werden.


Einerseits brauchen wir spezifische Strategien für heutiges Handeln, zum Beispiel für klimafreundliche Ernährung, indem wir weniger Tierprodukte verzehren. Andererseits brauchen wir längerfristige und übergreifende Strategien, um große, sogar radikale Veränderungen gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen uns also mit Zukunftsszenarien befassen, beispielsweise in welcher Welt unsere Kinder leben werden oder wie eine Welt ohne Autos aussehen könnte. Dafür ist z.B. wichtig, dass wir verstehen, wie und warum sich gesellschaftliche Werte zu Nachhaltigkeit und Konsum verändern, wie Einzelne dazu beitragen können, und wie deren Verhalten sich in kollektives Handeln skalieren lässt. Wir brauchen außerdem Forschung, die Verbindungen zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen wie ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit herstellt. Zuletzt ist es wichtig, Lösungen wie Anreizstrukturen nicht nur theoretisch zu erforschen, sondern auch an Politik, Industrie, und Zivilgesellschaft weiterzugeben, damit sie umgesetzt werden können.

  • Wir stehen in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens vor der Notwendigkeit, Dinge grundsätzlich zu ändern. Zum Beispiel im Bereich Umwelt- und Klimaschutz, Ernährung, Energe, Mobilität. Wie können wir das schaffen? 13065
  • Was kann getan werden, um mehr Bürger, mehr Politiker und mehr Firmen zu überzeugen, so zu handeln, dass die globale Erderwärmung auf 1.5 Grad begrenzt werden kann? 17860
  • Welchen Einfluss hat Werbung auf unser wohlbefinden? Kann man Werbung verbieten? 13922
  • Warum denken wir, dass wir immer neue Kleidung, ein neues Handy oder ein neues Auto brauchen? 29890
  • Wie würde die Erde ohne Menschen aussehen? 24697
  • Was würde passieren, wenn ab morgen keine Autos mehr fahren? 26736

Autor*innen:

Dr. Sophie Lohmann

Mitwirkende:

Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring
Monika Buchenscheit
Werner Groth
Marek Langer
Samuel Rehberger
Dr. Miriam Schwentker


Kommentare

ist eine allgemeine Anmerkung

Nachhaltigkeit als Dogma?

29.06.2022 10:10 gabriele.wickenhaeuser ist eine allgemeine Anmerkung

 Nachhaltigkeit als Überlebensziel bzw. -bedingung der Menschheit sollte jedoch nicht zum neuen "grünen" Dogma erklärt werden.

0 0 Unterstützungen 0 Ablehnungen

ist eine inhaltliche Ergänzung

Ökonomische Tragbarkeit ist Voraussetzung für soziale Akzeptanz

29.06.2022 12:10 peanut ist eine inhaltliche Ergänzung

Der zitierte Satz beschreibt in meinen Augen die zentrale Stellschraube, um nachhaltige Lebensstile attraktiver zu machen. Wenn vegetarisch/vegane Ersatzprodukte ein vielfaches von Fleischprodukten kosten, wenn Flugreisen einen Bruchteil von Zugreisen kosten und wenn das Auto die einzig verfügbare und bezahlbare Transportoption ist, dann ist ein nachhaltiges Leben für viele Menschen schlicht unmöglich. Das schließt nicht nur eine große Zahl an Menschen von Nachhaltigkeit aus, sondern verbrämt sie zusätzlich: Nachhaltiges Leben ist eine moralische Maxime, der auch Menschen folgen, die sich das "gute, nachhaltige Leben" nicht leisten können. Wer sich nicht moralisch verhalten kann, weil das Geld dazu fehlt, befindet sich in einem Dilemma, das mit Frust, Zweifel und Sorgen einhergeht. Wenn Nachhaltiges Leben für Menschen ein unerreichbaren Luxus ist, leidet nicht nur das Klima, sondern auch die Gesellschaft.

0 0 Unterstützungen 0 Ablehnungen