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2.12: Was ist heute noch „richtig“ und „normal“?

11.06.2022 18:48 2. Gesellschaft | Politik | Wirtschaft | Sicherheit Autor*innen und Mitwirkende

Wie entstehen Normen und Werte? Wie verändern sie sich? Gibt es grundlegende Werte, die für alle gelten? Was haben Religionen, Normen und Werte miteinander zu tun? Und wie prägen Normen und Werte Gemeinschaften?

Für ein gemeinschaftliches Leben braucht es Grundlagen. Neben materiellen Bedingungen ist es vor allem notwendig, in einer Gemeinschaft zu einem gewissen Maß Werte und Normen zu teilen, um (wiederkehrende) Konflikte zu vermeiden und eine gemeinsame Identität auszubilden. Werte und Normen können dabei auch habituelle Komponenten beinhalten – das Erleben von Kollektivereignissen oder die Etablierung von Trends. Neben der Philosophie und den Idealen der Aufklärung spielt Religion traditionell eine wichtige Rolle bei der Definition dieser Werte und Normen. Diese ändern sich über Zeit oder existieren in unterschiedlichem Ausmaß in verschiedenen Gesellschaften – es gibt also wenig Übereinkommen, was universelle Werte und Normen sein könnten. Veränderungen entstehen häufig langsam, durch gesellschaftlichen Wandel, aber auch schnell, durch Krisen oder (technische) Innovation. Sie können beabsichtigt (z.B. politische Entscheidungen) oder unerwartete Nebenprodukte sein.
Konflikte über Werte und Normen in und zwischen Gesellschaften prägen die Menschheitsgeschichte. Durch den immanenten Wahrheitsanspruch der meisten Religionen, die Aushandlungsprozesse ab einem bestimmten Punkt unmöglich machen, kommt dem Glauben hier eine besonders einende, aber ebenso entzweiende Rolle zu. Aus Werten und Normen setzen sich ein spezifisches Menschenbild (z.B. rationales Handeln, Rollen oder Resozialisierbarkeit) und Gesellschaftsvorstellungen (z.B. offene, bunte Gesellschaft) zusammen, wobei diese Idealvorstellungen häufig an der Realität bzw. der Durchsetzungsfähigkeit scheitern. Nichtsdestotrotz ergibt sich aus den Werten und Normen eine Reduktion von Unsicherheit, da sie aus Unbekanntem etwas Erwartbares machen. Es handelt sich um Komplexitätsreduktion und die Erklärung von Phänomenen, wie sie z.B. die Religion, aber auch Verschwörungstheorien liefern. 
Die Hoheit über die Definition und Werten und Normen – was ist „richtig“, was ist „normal“ – resultiert aus Machtverhältnissen, etwa der Mehrheit oder der Legitimierten. Damit werden immer auch Machtstrukturen geschützt und reproduziert.


In der globalisierten Welt und als Grundbedingung des menschlichen Zusammenlebens ist es notwendig, Werte und Normen, insbesondere mit Blick auf Religion, noch besser zu verstehen. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Woher kommen Werte und Normen? Wie haben sich Werte und Normen verändert und warum spielt Religion dabei noch immer eine solch zentrale Rolle? Welche Werte und Normen bzw. daraus resultierenden Vorstellungen sind für moderne Gesellschaften und ihren Zusammenhalt praktikabel? Wie bilden sich (kollektive) Identitäten, gemeinsame Vorlieben und Trends?

  • Ist das Wohl der Gesellschaft wichtiger, als das Wohl des Individuums? 26392
  • Wie gelingt es Menschen, das Leid das sie anderen antun (Ausbeutung/Gewalt) zu ignorieren? 16772
  • Warum haben wir Vorurteile? 14815
  • Wie kann man die Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft fördern? 27542
  • Sind Gefängnisse sinnvoll, oder gibt es bessere Altrnativen? 24342
  • Fällt die eigene Gesundheit auch unter "Staatsangelegenheit" oder ist das eine private Sache in einer Demokratie? (zb. Impfen, Abtreibung, Sterbehilfe,...) 20648
  • Welchen Einfluss hat glauben und Religion auf Wirtschaft und soziales ? 25791
  • Warum gibt es Verschwörungstheorien? 23481
  • Wie können Menschen aller Religionen bzw. ohne Religionen friedlich zusammen leben? Ist das möglich? 13382
  • Wie entstehen Trends? 27276
  • Warum gibt es Schönheitsideale? 27270
  • Wieso ist Fußball so beliebt ? 28224

Autor*innen:

Dr. Heiko Giebler

Mitwirkende:

Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring
Monika Buchenscheit
Werner Groth
Marek Langer
Samuel Rehberger
Dr. Miriam Schwentker


Kommentare

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Stiftung Weltethos

25.06.2022 14:11 gabriele.wickenhaeuser ist eine inhaltliche Ergänzung

 Mit dieser Frage beschäftigt sich auch die Stiftung Weltethos als private Kapitalgesellschaft nach deutschem Gesellschaftsrecht. Das Ehepaar Graf und Gräfin von der Groeben hatte dem verstorbenen Reformtheologen mit römisch-katholischer Weihe Hans Küng eine größere Geldsumme für seine ökumenische Arbeit an der Universität Tübingen zur Verfügung gestellt. Im Jahr 1999 erschien sein Buch "Spurensuche Die Weltreligionen auf dem Weg".

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Ist der Mensch zu einem Denken ohne 'Normalität' fähig?

28.06.2022 18:26 vivienne.vnt ist eine Frage

Der Mensch denkt und handelt nach erlernten und gelebten Erfahrungen und Erinnerungen. Um Dinge zu identifizieren ist auch immer die Abgrenzung zu anderen notwendig. Zusätzlich ist das Gehirn nur begrenzt lernfähig und eine Änderung des Denkens innerhalb einer Gesellschaft dauert teils Generationen

Die Frage, die bleibt, ist: Ist der Mensch überhaupt zu einem Denken ohne "richtig" und "normal" fähig? Und das, auch wenn diese Begriffe aus dem Wortschatz verschwinden? Denn die Evaluierung, ob eine Handlung ausgeführt wird, ist immer noch vorhanden und abhängig von Kriterien, die man selbst als richtig oder falsch erachtet. Daraus wird das Risiko einer Handlung kalkuliert.

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